© Christine Schwickerath, Meckel

Preisträger BDA-Architekturpreis Rheinland-Pfalz 2012

„Leben in der Schmiedestraße“

Meckel

© Christine Schwickerath, Meckel

„Leben in der Schmiedestraße“

Meckel
Projekt
„Leben in der Schmiedestraße“
Architekt
Rainer Roth, Meckel
Bauherr
Familie Reusch Oeltges, Familie Mully Köhli, Familie Schwickerath Roth

Aus der Juryentscheidung:

Die neuen Häuser in der Schmiedestraße fallen sofort ins Auge. Drei verwandte Gebäude stehen da sorgfältig aufeinander abgestimmt und doch verschieden. Ein spannungsreiches Ensemble.

Die Anlage schafft klare Raumkanten und definiert öffentliche und private Räume.

Interessant ist der Wohnungsmix: Untypisch für das Wohnen auf dem Lande wurden bewusst auch kleine Wohnungen geschaffen. Die Häuser bestechen durch ihre Schlichtheit. Weißer Putz, weiße Holzfenster, weißer Holzzaun, graues Dach.

Das gemeinschaftliche Wohnprojekt in Meckel verdient gesellschaftliche Aufmerksamkeit. Nicht nur wegen der hochwertigen Architektur, sondern auch wegen des engagierten Ziels das Leben auf dem Land wieder attraktiver machen zu wollen.

Das Schmiedestraßenprojekt hat eine soziale und regionale Thematik. Im Zeitalter von Globalisierung und den damit einhergehenden Identitätsproblemen einerseits und Individualisierungstendenzen andererseits wächst der Wunsch nach sozial stabiler Nachbarschaft und einer nachhaltig sicheren Wohnsituation, die auch vor möglicher Vereinsamung schützt. Gemeinschaftliche Wohnprojekte haben eine neue gesellschaftliche Aufmerksamkeit erhalten. Hintergründe sind die  veränderten Familienstrukturen. „Wahlverwandtschaften“ werden immer öfter als neues Leitbild auch beim Wohnen  zum Thema.

Wir beschäftigten uns mit dem Leben im Dorf früher. Wie wurde gearbeitet, wie waren die Familienstrukturen, wie waren die Kontakte der Dorfbewohnern untereinander, welche Qualitäten bot das Dorf? Heutige Neubaugebiete sind oft reine Schlafstätten. Man lebt oft ohne Bezug zum Umfeld nebeneinander. Wir sind der Meinung Menschen sollten die Möglichkeit haben, im Wohnort zu arbeiten, diesen damit zu beleben und Identifikation zu schaffen.

Darüberhinaus halten wir das Angebot kleiner Wohnungen in der Eifel für junge Paare, ältere und alleinwohnende Personen für wichtig. Früher bewohnten meist große Familien die Häuser, die auf die damaligen Bedürfnisse zugeschnitten waren.

Als besonders hohe Qualität des Dorfes schätzen wir die Tradition der Nachbarschaft.  Das gemeinsame Leben am gleichen Ort. Man kennt sich, man spricht miteinander, man wird miteinander älter. Diesen Nachbarschaftsgedanken wollten wir mit dem Schmiedestraßenprojekt aufgreifen.

Drei Familien möchten Wohnen und Arbeiten auf dem Land vereinen und teilen sich eine Wiese in Meckel um gemeinsam zu planen.  Entstanden sind drei verwandte Häuser mit gleichen Genen. Ihre Vorfahren stehen in der Nachbarschaft. Die einzelnen Baukörper und gemeinschaftliche und private Bereiche wurden gemeinsam aufeinander abgestimmt, so dass jeder sein kleines Grundstück optimal nutzen kann. Diese Abstimmung bringt einen Mehrwert für jeden einzelnen. Die Wahl der Dachform gewährleistet jedem Gebäude eine maximale Besonnung. Zwischen den Gebäuden entstehen Höfe, die sich dem Straßenraum, oder der Landschaft öffnen. Die Ausrichtung der Wohnräume ist so gewählt, dass die Privatsphäre gewahrt bleibt. Dennoch fühlen sich die jeweiligen Bewohner als Teil der Gemeinschaft.

Städtebaulich wird ein Ensemble geschaffen, das den Straßenraum klar definiert. Ihm zugewandt sind die Büroräume und die Goldschmiede mit Schaufenster. Die Wohnräume haben einen direkten Zugang zum Garten. Jedes Haus erhielt im vorgelagerten Hof einen Hausbaum. Das Innenleben und die Raumstrukturen der Gebäude wurden nach den jeweiligen individuellen Bedürfnissen zugeschnitten.

Alle drei Häuser in der Schmiedestraße sind zweiteilig, das heißt sie bieten jeweils zwei Einheiten für: Goldschmiede, Wohnung für eine Familie, Architekturbüro, kleine Wohnungen für Paare und für Alleinwohnende. Mittlerweile werden die drei Häuser von jungen Meckelern und Neubürgern bewohnt, mit der Chance sich in Meckel einzuleben.

© Christine Schwickerath, Meckel
© Christine Schwickerath, Meckel
© Christine Schwickerath, Meckel
© Christine Schwickerath, Meckel
© Christine Schwickerath, Meckel
© Christine Schwickerath, Meckel

Preisträger

BDA-Architekturpreis Rheinland-Pfalz 2012 – Anerkennung